ArtistsToWatch ︎︎︎ Lydia Ourahmane

Survival in the afterlife
“Working with this personal history is something I have to deal with now, as a way of moving forward”
(Lydia Ourahmane)



Könnt ihr euch noch erinnern? An die Übernachtungen bei Verwandten als Kind? Als Gäste bekam man in einem Haus voller Menschen selten ein richtiges Bett. Die Kinder schon gar nicht. Dennoch hat es nicht an Bequemlichkeit gefehlt. Es wurden Decken in den verschiedensten Mustern und Farben auf dem Boden aufeinandergestapelt und als Schlafmöglichkeit genutzt. Große und kleine, braune und orangefarbene Blüten begleiteten die Gäste durch das Land der Träume.


             Lydia Ourahmanes Ausstellung Survival in the afterlife in der Kunsthalle Portikus schleudert mich in meine Kindheit zurück. Während ich den Ausstellungsraum betrete, sehe ich das riesige rechteckige Fenster der Kunsthalle vor mir. Auf dem Boden liegen bunte Matratzen und Kissen mit den verschiedensten Verzierungen.
              Wie damals bei meiner Tante. Ourahmanes Freund*innen haben sie extra für die Ausstellung angefertigt. Sie sollen die Besucher*innen zum Verweilen und Zuhören einladen. Auch hier dürfen es sich die Gäste bequem machen, nur ohne zu übernachten. Im Hintergrund ist ein Sound zu entnehmen, den Ourahmane mit Jessica Mai Walker und Joe Ware gemeinsam komponiert hat.
Die Ausstellung geht in der oberen Etage der Kunsthalle weiter. Bevor ich die rauen weißen Treppen hochlaufe, muss ich beim Portier mein Handy abgeben und weiße Stoffhandschuhe über meine Hände ziehen. Denn oben seien private Fotografien und Videoaufnahmen aus dem Familienarchiv der Künstlerin zu sehen. In der Ecke der Etage ist ein Regal mit Fotoalben aufgestellt, die man sich rausziehen und anschauen darf. Ich bin überrascht als ich merke, dass es sich dabei nicht um Attrappen, sondern um echte Fotoalben der Familie handelt. Ourahmanes Familie gründete während des algerischen Bürgerkriegs eine christlich-religiöse Gemeinschaft, die bis heute noch aktiv ist und politisch unterdrückt wird. Auf den meisten Fotografien sind eine Gruppe von Menschen zu sehen, die entweder an einem großen Tisch gemeinsam essen oder beten.
              Die Künstlerin, die ihre Ausstellung eigens für die Kunsthalle Portikus konzipiert hat, lässt hier einen Ort für Gastfreundschaft und Einheit entstehen, wie ihre Familie auf den Fotos. Angesichts der gegenwärtigen Umstände, die die Menschen immer mehr isoliert, ist dieses Gefühl notwendiger denn je.


Lydia Ourahmanes Ausstellung Survival in the afterlife wird noch bis 20.02.2022 in der Kunsthalle Portikus zu sehen sein. Mehr Infos zur Austellung findet ihr auf Portikus.de oder dem Instagram Account von @kunsthalle_Portikus.
Lydias Instagram Account findet ihr unter @emogirl4.